Franz Liszt in Thüringen
Liszt in Thüringen
Neben Bach war Liszt der andere herausragende Musiker in Thüringen. In der Mitte des 19. Jahrhunderts beherrschte er das hiesige Musikleben – als phänomenaler Pianist, als Dirigent und Komponist, als Pädagoge und Musikorganisator. Mittelpunkt seines Wirkens und Hochburg seiner sog. Neudeutschen Schule war Weimar, das er in den 1850er Jahren zu einem Musikzentrum von europäischem Rang werden ließ. Von hier aus strahlte er in weitere Thüringer Städte aus, von hier aus webte er ein Netz über ganz Deutschland und weit über dessen Grenzen hinaus.
Hier knüpfte er an an das Erbe Goethes (im Februar 1851 überreichte er gar dem Erbprinzen Carl Alexander seine prophetische Schrift „De la fondation Goethe à Weimar”) wie Schillers und Herders, aber ebenso an die Wiener Klassik besonders eines Beethoven. Nach langjährigen Reisen durch ganz Europa hatte Liszt den Weg in die thüringische Residenz gewählt. Dieser scheinbare Rückzug des wohl berühmtesten Klaviervirtuosen seiner Zeit aus der großen weiten Welt begründete einen für sein Schaffen sehr fruchtbaren Lebensabschnitt. Eine Zeit der „Sammlung und Arbeit“, wie er sie selbst nannte, nach Jahren unsteten Künstlerlebens. So schreibt er im Winter 1847 aus dem polnischen Woronince an den Erbprinzen Carl Alexander von Weimar: "Der Moment ist gekommen (Nel mezzo del cammin di nostra vita - 35 Jahre!), da ich die Puppe meines Virtuosentums aufbrechen und meine Gedanken dem freien Fluge überlassen kann..." Er hatte Pläne, revolutionäre, ehrgeizige Pläne, für seine eigene künstlerische Zukunft, für Weimar, für Thüringen, für ein geeintes Deutschland. Hier im thüringischen Weimar wollte er verlorene Fäden wieder aufnehmen und nicht nur die Residenzstadt in ein zweites goldenes Zeitalter führen, in "eine neue Kunstperiode [...], wo Wagner und ich die Koryphäen gewesen wären, wie früher Goethe und Schiller."




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